António e Cleópatra


Tiago Rodrigues . TNDMII . Lissabon . Portugal

Abgeklärtes Klassik-Destillat mit großen Gefühlen

Sie gehören zusammen wie Romeo und Julia, wie Tristan und Isolde. Ihre Geschichte ist von allen Liebestragödien die auswegloseste, ihr kommt die Staatsräson und das Schicksal ganzer Armeen in die Quere. Sie ist historisch verbürgt und immer wieder neu erdichtet worden, von Plutarch über Shakespeare bis zu Mankiewicz’ Hollywood-Film, in dem Elizabeth Taylor und Richard Burton das Liebespaar spielten, das sie selber waren. Der portugiesische Autor und Regisseur Tiago Rodrigues erzählt die Tragödie neu und lässt die bekannten Figuren in seinen Darstellern Sofia Dias und Vítor Roriz so behutsam wie leidenschaftlich aufleben. Sie sind Antonius und Kleopatra und gleichzeitig Sofia und Vítor, die von Antonius und Kleopatra berichten. Sie sind Antonius, der mit den Augen Kleopatras sehen kann, und Kleopatra, die umgekehrt die Welt mit den Augen von Antonius wahrnimmt. Alles wird immer wieder umgekehrt, weil in dieser Geschichte das Umkehren der Grundsatz der Liebe ist – und vielleicht auch der Grundsatz des Theaters, das uns die Welt aus einem fremden Blickwinkel zeigt.

Website Mundo Perfeito

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Text . Regie Tiago Rodrigues mit Fragmenten aus William Shakespeares Antony and Cleopatra Mit Sofia Dias . Vítor Roriz Bühnenbild Ângela Rocha Kostüme Ângela Rocha . Magda Bizarro Licht Nuno Meira Musik mit Ausschnitten vom Soundtrack des Films "Cleopatra" (1963), komponiert von Alex North Ton Miguel Lima . Sérgio Milhano (Ponto Zurca) Technische Unterstützung Cárin Geada . Amarílis Felizes Management . Fotos Magda Bizarro Produzentin Rita Mendes Eine Produktion des Teatro Nacional D. Maria II auf Grundlage der Inszenierung von Mundo Perfeito Koproduktion Centro Cultural de Belém . Centro Cultural Vila Flôr . Temps d’Images

Gefördert durch die Portugiesische Botschaft Berlin


Ballhof Zwei


03.07.17:00 Uhr

04.07.19:00 Uhr

Eintritt18 Euro
Ermäßigt9 Euro
Einführung04.07. 18.30 Uhr . Foyer Ballhof Zwei
Dauer1h20 . keine Pause
SprachePortugiesisch mit deutschen Übertiteln

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Die Fantasie an die Macht

von Thomas Walgrave, künstlerischer Leiter des Alkantara-Festivals in Lissabon

Aus dem Englischen übertragen von Henning Bochert

Meine Meinung ist die: Wenn in unserer Zeit etwas helfen soll, so ist es Gewalt. Wir wissen, was wir von unseren Fürsten zu erwarten haben. Alles, was sie bewilligten, wurde ihnen durch die Notwendigkeit abgezwungen. Und selbst das Bewilligte wurde uns hingeworfen, wie eine erbettelte Gnade und ein elendes Kinderspielzeug (…)
Georg Büchner, Brief an die Familie vom 5. April 1833

Dies waren die allerersten Worte – aus einem Brief von Georg Büchner an seine Eltern 1833 – die ich Tiago Rodrigues auf einer Bühne sprechen hörte. Das war im Sommer 1997, Theaterleiter Jorge Silva Melo hatte unsere Truppe STAN für eine Vorstellungsserie und einen längeren Workshop mit ungefähr 25 jungen portugiesischen Theatermachern ins Centro Cultura de Belém (CCB) nach Lissabon eingeladen. Damals waren alle und alles noch jung: das CCB gab es erst seit ungefähr fünf Jahren, STAN seit kaum acht, Jorge war noch keine 50. Tiago, 21 Jahre alt (genauso alt wie Büchner, als dieser den fraglichen Brief schrieb), war der Jüngste von uns allen. Er ging noch aufs Konservatorium, hatte wahrscheinlich nicht das technische Rüstzeug wie einige seiner älteren Kollegen, aber da stand er auf der Bühne der Blackbox und sprach Büchners Worte mit solcher Klarheit, Authentizität und Klugheit, dass man nicht um ihn herumkam. Es sollte der Anfang einer lange andauernden romantischen Beziehung mit STAN werden. Tiago hat an zirka sieben Inszenierungen der flämischen Truppe mitgearbeitet (neben ein paar Cameo-Auftritten in anderen). Aber das ist eine andere Geschichte.

Noch einmal Sommer, nun 2006. Tiago Rodrigues hat mich gebeten, bei URGÊNCIAS 2006 mitzuarbeiten, der zweiten Ausgabe eines Projektes im Teatro Maria Matos in Lissabon. Am Anfang standen eine Reihe neuer, kurzer Theatertexte von einem Dutzend portugiesischer Autoren, eine Gruppe Schauspieler und eine Frage: „Was hast du so Dringendes zu sagen?“

Mundo Perfeito war drei Jahre zuvor gegründet worden, und URGÊNCIAS ist das erste Produkt dieser Truppe, die in den kommenden Jahren einen wichtigen Platz in der portugiesischen Theaterlandschaft und darüber hinaus einnehmen wird: um den Schauspieler/Regisseur/Autor Tiago Rodrigues und die Geschäftsführerin/Produzentin/Fotografin/noch-vieles-mehr Magda Bizarro herum entstehen sehr unterschiedliche, aber stets innovative Arbeiten, die das Zeitgenössische mit Verständlichkeit und Gründlichkeit mit Humor verbinden. Mundo Perfeito entwickelt in schwindelerregender Folge (33 Produktionen in elf Jahren!) Projekte, die häufig mit dem Schreiben eines neuen Textes beginnen. Das Ergebnis ist ein umfangreiches und verblüffendes Repertoire, das mit großer Dringlichkeit eine Reihe brennender Fragen zur Diskussion stellen will. Die Folge der Produktionen von Mundo Perfeito liest sich auch wie ein Lernprozess und zeigt eine unersättliche Neugier und einen tiefen Glauben an den „Homo universalis“ des Humanismus, das Bild des Künstlers, der Allgemeinwissen über die Welt anhäuft, anstatt sich zu spezialisieren.

Ein Ein-Mann-Ensemble
Allerdings ist Mundo Perfeito alles andere als das Unternehmen eines Einzelnen – in den letzten zehn Jahren hat es nur zwei Monologe hervorgebracht (STAND UP TRAGEDY 2006 und YESTERDAY'S MAN 2007). Sich selbst bezeichnet es ausdrücklich als ein offenes Haus, beständig auf der Suche nach Mitstreitern in seinem selbsterklärten „Kampf gegen die Mächte des Bösen“. Das Resultat ist eine Serie von Kollaborationen mit einer beeindruckenden Liste portugiesischer und internationaler Künstler: mit dem Libanesen Rabih Mroué und Tony Chakar bei YESTERDAY'S MAN (2007), dem Filmregisseur João Canijo, dem kongolesischen Choreograf und Theatermacher Faustin Linyekula, dem amerikanischen Nature Theater of Oklahoma und Foguetes Maravilha aus Rio de Janeiro bei Estudíos (2008 und 2009); unter anderen mit Tim Etchells, Alex Cassal, Miguel Castro Caldas, Zé Maria Vieira Mendes und Jacinto Lucas Pires in HOTEL LUTÉCIA (2010), mit anderen Gruppen wie STAN bei BERENICE (2005) oder Dood Paard bei THE JEW (2011), noch einmal mit Foguetes Maravilha bei MUNDO MARAVILHA (2013); mit Autor / Musiker Jacinto Lucas Pires bei INTERPRETAÇÃO (2014) oder mit Sofia Dias und Vítor Roriz bei ANTÓNIO E CLEÓPATRA (2014).

Darüber hinaus hat das offene Haus eine Reihe von Stammgästen versammelt. Über die Jahre ist eine Gruppe von Schauspielern allmählich Teil des Ensembles geworden, auch wenn sie die Freiheit behielten, an Projekten außerhalb von Mundo Perfeito zu arbeiten. Das lockere Ensemble von Cláudia Gaiolas, Tónan Quito, Paula Diogo, Isabel Abreu, Gonçalo Waddington, Pedro Gil und anderen ist so grundlegend wichtig, weil Mundo Perfeito im Wesentlichen lebendiges Theater (Living Theater) macht: Vorstellungen, die zu 200 Prozent im Hier und Jetzt verankert sind, weit entfernt von den Konventionen einer Probe (im Sinn des französischen Wortes „répéter“, „wiederholen“) und vom Reproduzieren, im vollen Bewusstsein der Einzigartigkeit der Begegnung zwischen diesen Darstellern, diesem Publikum in diesem Raum, an diesem Abend. Das bringt eine große Verantwortung – und Freiheit – für die Schauspieler mit sich, die die Vorstellung jeden Abend neu erschaffen.

Vor allem ist es eine sehr großzügige Art und Weise, Theater zu machen. Sie schöpft die ganz besondere Kraft des Mediums vollständig aus und führt zu bemerkenswert zugänglichen Inszenierungen, ohne je belehrend oder populistisch zu sein.


Lebendiges Theater
Mundo Perfeito verbindet Bühne und Leben auf eine weitere Art. Der Premierminister Pedro Passos Coelho, der Fernsehmoderator João Adelino Faria, berühmt-berüchtigte portugiesische Politiker wie Marcelo Rebelo de Sousa oder Alberto João Jardim werden direkt auf die Bühne eingeladen. Eine Landkarte von Beirut wird an die Theaterwände gemalt. Die Küche von O que se leva desta vida riecht intensiver und blubbert lauter als jede Küche im echten Leben. Figuren und Situationen, die sich zu ihrer eigenen Überraschung in einem Theatersaal wiederfinden, realer als real, hyperreal. In den Inszenierungen von Mundo Perfeito scheint die metaphorische Distanz zwischen Bühne und Realität auf den ersten Blick gleich null zu sein. Im Repertoiretheater geht es in aller Regel andersherum: ein alter Grieche, ein Shakespeare, Ibsen oder Molière wird inszeniert, um die Universalität des menschlichen Befindens über Raum und Zeit hinweg zu zeigen. Bei Mundo Perfeito ist es nicht so sehr Kreon, der der Korruption und Blindheit der Macht einen Spiegel vorhält; vielmehr ist es ein Premierminister Pedro Passos Coelho, der seine Schuhe auszieht, ein Croissant isst und zu Kreon wird. Situationen aus den vermischten Meldungen der Tageszeitungen werden in die Allgemeingültigkeit erhoben. Diese Herangehensweise an Theater ähnelt vielleicht der eines Theatermachers wie dem Ungarn Béla Pintér, der sehr lokale, in der Zeit gebundene Themen verwendet, um absolut allgemeingültige Geschichten zu erzählen.

Und auch wenn in den letzten Jahren William Shakespeare oder Gustave Flaubert mit von der Partie waren, so wurde ihnen ein Platz im Zuschauerraum zugewiesen, damit sie ihre Worte durch das Atmen von Großmutter Cândida (BY HEART), die Körper und Handlungen von Sofia Dias und Vítor Roriz (ANTÓNIO E CLEÓPATRA) oder die Argumente der Anwälte im berühmten Verfahren von 1857 (BOVARY) vernehmen konnten.

Fiktion spielt hier eine zentrale Rolle
Mundo Perfeito macht alles andere als Dokumentartheater. Im Gegenteil wird Realität hier auf schamlos manipulierte, fiktionalisierte Weise mit einem riesengroßen „Was wäre, wenn“ auf die Bühne gezerrt, wo der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Es steckt etwas extrem Subversives in dieser Macht der Fantasie, in dieser Forderung nach dem Recht, sich eine gänzlich neue Realität zu erträumen, und sei es auch mit denselben Zutaten wie in der alten. Sie ist eng verwandt mit der kindlichen, provokativen Naivität der Dadaisten (man sehe sich allein den Namen der Gruppe an), eines Kurt Schwitters, der konstatierte: Wir fordern die unmittelbare Abschaffung allen Missbrauchs in der Welt.

Apropos Welt: Mundo Perfeito mit Inszenierungen, die von sehr spezifischen, lokalen Themen abheben, ist überraschenderweise die portugiesische Theatergruppe mit der mit Abstand größten internationalen Aufmerksamkeit. Das sagt eine Menge über das Bedürfnis nach Authentizität und Identität im Theater sowie auch über das Missverständnis des sogenannten universellen Euro-Theaters. Aber der internationale Erfolg von Mundo Perfeito ist auch ein deutliches Zeichen dafür, wie die Organisation funktioniert: Sie ist ein organisches Wesen, sehr weit entfernt von der beinahe kriegerischen herkömmlichen Theatercompagnie mit ihren künstlerischen Generälen, ihrem Korps von Geschäftsführern, Produktionsbüros und Kommunikationsexperten, ihren Schauspieler- und Technikertruppen. Bei Mundo Perfeito sind der Küchentisch und die Technikkabine, das Badezimmer und die Garderobe nahtlos miteinander verbunden. Sie benötigt keine Unmenge an Besprechungen, um alles zu organisieren. Tiago hat sie einmal verglichen mit einem „kleinen Kiezgeschäft, dem Bäcker an der Ecke, wo das Menschliche, das Authentische und Aufrichtige den Ton angeben, wo wir wissen, woher die Dinge kommen und wohin sie gehen.“ Man kann sie aber genauso gut als Guerilla-Kompanie bezeichnen, äußerst mobil, mit leichtem Gepäck, der Abstand zwischen den Dienstgraden auf ein Minimum reduziert. Eine Struktur, die sich ausschließlich nach den Bedürfnissen des künstlerischen Vorhabens richtet.

Elf Jahre Mundo Perfeito
Das ist ein Lagerhaus voller Bühnenbilder. Ein Regal voller Theaterstücke, die Texte mit bunten Markern angestrichen. Eine Reise so schnell wie in einer Achterbahn, voller Herausforderungen, immer getrieben vom Hunger, neues Terrain zu entdecken, Hindernisse zu überwinden. Und immer noch liegt da draußen eine ganze Welt, die nur auf Perfektion wartet.

Als ich diese Zeilen vor etwas mehr als einem Jahr schrieb, war nicht vorauszusehen, dass die Erde unter Lissabon Ende 2014 wieder beben würde, aber ganz anders als 1755: Tiago Rodrigues wurde der neue Leiter des Nationaltheaters (im portugiesischen Volksmund: Teatro Nacional Dona Maria Segunda). Küchentisch und Badezimmer von Mundo Perfeito zogen um in einen Palast aus Gold. Erst die Zukunft wird zeigen, ob dies die klassische Geschichte vom Rand ist, der vom Zentrum assimiliert wird – oder, um es politisch auszudrücken, ein Musterbeispiel von Marcuses repressiver Toleranz. In der Logik von Mundo Perfeito aber (oder eines südeuropäischen Subkontinents, der sich unter Hochdruck neu definieren muss) könnte es genauso gut ein Zeichen dafür sein, dass der Mittelpunkt der Erde sich verschoben hat. Dass ein paar Naturgesetze dringend überprüft werden müssen.

Thomas Walgrave
September 2013 / Februar 2015

Der Originaltext wurde anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von Mundo Perfeito geschrieben, das im Teatro Maria Matos gefeiert wurde.

Fotos: Three Fingers below the Knee © MagdaBizarro . Yesterday's Man © Magda Bizarro

António e Cleópatra

Sinopse

Se dizemos um dos nomes, o outro surge de seguida. A nossa memória não consegue evocar um sem o outro. Plutarco escreveu que, a partir deles, o amor passou a ser a capacidade de ver o mundo através da sensibilidade de uma alma alheia.

Misturaram amor e política e inventaram uma política do amor. São uma história de amor histórico. São um romance baseado em acontecimentos reais frequentemente romanceados. Shakespeare ergueu-lhes um monumento verbal que transformou na verdade mais verdadeira aquilo que nunca lhes aconteceu. No filme de Mankiewicz que levou a 20th Century Fox à falência, Richard Burton e Elizabeth Taylor foram o casal celulóide e real que eles nunca e sempre foram.

Neste espectáculo que Tiago Rodrigues escreve e dirige, Sofia Dias e Vítor Roriz são a dupla aqui-e-agora do que eles foram ali-e-então. São e não são António e Cleópatra. São o António a ver o mundo pelos olhos da Cleópatra. E vice-versa. Sempre vice-versa. Vice-versa como regra do amor. Vice-versa como regra do teatro. Este espectáculo é ver o mundo através da sensibilidade das almas alheias de António e Cleópatra.

Uma colaboração amorosa

Este ANTÓNIO E CLEÓPATRA não é a peça de William Shakespeare. É uma peça original que construímos alicerçada na memória da tragédia de Shakespeare, que por sua vez tinha os seus fundamentos no retrato biográfico que Plutarco faz de Marco António nas Vidas Paralelas, ele próprio herdeiro de diversos escritos e relatos de viva voz (Plutarco chega a citar o seu próprio bisavô no capítulo sobre Marco António). Assumimos estas heranças e outras, menos antigas mas igualmente monumentais, como o filme-maratona de 1963, realizado por Mankiewicz com o casal Taylor-Burton (do qual usamos fragmentos de música) e também a parafernália resultante da aura de fascínio que o romance de António e Cleópatra ainda lança sobre historiadores, ficcionistas e público.

Nessa fronteira ambígua entre o plágio e a citação que tanto agradaria a Shakespeare (usamos diversas frases da tragédia, retiradas da notável tradução de Rui Carvalho Homem para edição da Campo das Letras), aceitamos também que este fenómeno da transmissão de um episódio histórico e literário está marcado pela erosão. A erosão do tempo e da linguagem que condenam a memória a uma incompletude e que, por isso mesmo, abrem portas ao nosso contributo pessoal. Se soubéssemos tudo, saberíamos demais e não teríamos urgência em fazer este espectáculo.

Shakespeare escreveu (provavelmente tê-lo-á feito em 1606) um ANTÓNIO E CLEÓPATRA que, ao longo do tempo, tem tido dificuldade em subir ao pódio das suas obras trágicas, ocupado por Hamlet, Otelo, Rei Lear ou Macbeth. Para tal, contribuiu a reputação de obra imperfeita ou transgressora dos cânones, que se deve à multiplicidade e dispersão de tempos e espaços da acção, em clara desobediência dos parâmetros “aristotélicos”, combinada com aquilo a que John Drakakis chamou uma “descontrução avant la lettre” originada por uma linguagem que pareceter uma origem num “fio de consciência”. Nas leituras que fizemos de Shakespeare, logo nos primeiros ensaios deste projecto, foi precisamente este espírito transgressor da estrutura da peça que nos empurrou para o espaço de liberdade (e quase irresponsabilidade) necessário para nos atrevermos a criar a nossa própria ANTÓNIO E CLEÓPATRA.

A tragédia de Shakespeare é um inventário de dicotomias: oriente e ocidente; razão e sentimento; masculino e feminino; política e sexo; guerra e amor; trabalho e ócio; tragédia e comédia. Em confronto, em paralelo, em complementaridade ou simbiose, cada ingrediente desta peça encontra sempre o seu par ou o seu reverso. À semelhança da dupla que dá nome à obra.

Fascinados por esta ideia de dupla, reduzimos o elenco faraónico de Shakespeare a dois intérpretes: a Sofia Dias e o Vítor Roriz. Que são muito mais a Sofia e o Vítor do que uma representação de uma Cleópatra e de um António. Ou talvez devesse dizer de um António e duma Cleópatra. Porque neste espectáculo a Sofia fala obsessivamente dum António e o Vítor fala com igual minúcia de Cleópatra. A Sofia sempre descrevendo o que faz e diz um António que vive numa imaginária encenação. E vice-versa. “Sempre vice-versa”, dizemos na sinopse do espectáculo. Vice-versa poderia, aliás, ter sido um título para esta peça.

Assim, procurámos inventar uma dupla que fala duma outra dupla, relatando e evocando continuamente uns invisíveis António e Cleópatra, ao ponto de mergulharem por instantes nesses nomes, dando-lhes uma forma visível. Alimentamos a confusão de identidades entre António e Cleópatra, mas também entre intérpretes e personagens. Propomos a confusão que é sempre uma dupla. Essa ideia que o próprio Plutarco propõe quando, na passagem em que descreve o modo como António foge da batalha para seguir no encalço de Cleópatra, escreve em tom jocoso mas compreensivo que “a alma do amante vive sempre em corpo alheio”.

Esta tirada de Plutarco, que fala dum António que se desliga da sua identidade, destruindo a sua reputação e honra, para ver o mundo pelos olhos de Cleópatra, tem tanto de tese amorosa como de paradoxo teatral. É essa alma em corpo alheio que tentamos quando a dupla Sofia e Vítor tentam ver o mundo pelos olhos de António e Cleópatra, mas também através dos olhos um do outro. É dessa alma em corpo alheio que falamos quando inventamos uma peça de teatro para uma dupla de coreógrafos.

À imagem da confusão das duplas que trocam de corpo, quisemos criar um espectáculo onde a escrita teatral e a encenação compreendessem o mundo através dum corpo alheio: o da linguagem matemática e lúdica, rigorosamente poética do universo coreográfico de Sofia Dias e Vítor Roriz. Este ANTÓNIO E CLEÓPATRA oi escrito a imaginar o teatro pelos seus olhos. Do mesmo modo que as suas interpretações estão apostadas em estar no palco, usando um corpo de texto e de teatro que lhes é alheio, embora familiar. Porque é importante dizer que “alheio” não implica distância. Muito pelo contrário. Esta colaboração nasce do reconhecimento de que há afinidade artística com esse corpo alheio. Que embora seja de outrem, poderíamos imaginá-lo nosso. E ao trocarmos de corpos, não perdemos irremediavelmente o nosso. Emprestamo-lo temporariamente. Para que esses corpos emprestados se traduzam numa colaboração, literalmente, num trabalho juntos.

O espaço cénico de Ângela Rocha e a iluminação de Thomas Walgrave, pautados por uma ideia de instabilidade e movimento perpétuo, dão forma ao campo de jogos aparentemente sem regras onde acontece esta colaboração artística inspirada por uma ideia de colaboração amorosa. Também colaboramos com a História, com Plutarco, com Shakespeare. E, finalmente, colaboramos com o público, esse indispensável e último dos colaboradores. Esse corpo alheio onde queremos que a nossa alma de amante habite.

Tiago Rodrigues
Novembro 2014