Hipster the King


Thanapol Virulhakul . Democrazy Theatre . Bangkok . Thailand

Vermeintlich unpolitische Satire mit Spielraum für Zuschauer

Ikonen des 20. und 21. Jahrhunderts bevölkern in wechselnden Konstellationen die Bühne: Che Guevara, Mao Tse-tung, Frida Kahlo, Steve Jobs und Aung San Suu Kyi, die Widerstandskämpferin aus Myanmar. Wie die moderne Stadtspezies der Hipster sind sie eher Bilder als Personen, Projektions- und Werbeflächen für die Ideen, die sie verkörpern, eindeutig zu identifizieren durch Kostüme, Requisiten und Posen. Das einnehmend lächelnde Servicepersonal ermutigt das Publikum, die historischen Figuren zu vollenden, Mao das rote Büchlein in die Hand zu drücken oder es gleich an seiner Stelle hochzuhalten. Die kleinen Gesten decken Machtmechanismen auf, stellen immer wieder neue Regeln auf, laden ein zur Rebellion. Denn der Zuschauer ist König – oder die aufdringliche Servicekraft – oder doch der Hipster? 

Hipster the King wurde eine Woche nach dem Militärputsch vom 22. Mai 2014 in Bangkok uraufgeführt.

Facebook Page Democrazy Theatre Studio

Video anschauen

Regie Thanapol Virulhakul Produktion . Licht Pavinee Samakkabutr Management Tananop Kanjanawutisit Technik . Ausstattung . Ton Sarayut Pethsamrit Regieassistenz . Ausstattung . Video Peerapol Kijreunpiromsuk Kostüm . Ausstattung Nicha Puranasamriddhi . Panchana Soonthornpipit . Farida Jiraphan Mit Duangjai Hiransri . Gandhi Wasuvitchayagit . Suphasawatt Purnaveja . Saifah Tanthana . Tananop Kanjanawutisit . Nicha Puranasamriddhi . Panchana Soonthornpipit . Farida Jiraphan

Im Rahmen von Our Common Futures gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes


Staatstheater Haus Drei


10.06.21:30 Uhr

11.06. - 12.06.17:30 Uhr

EintrittVVK 18 Euro . AK 20 Euro
ErmäßigtVVK 9 Euro . AK 10 Euro
Einführung12.06. 17:00 . Foyer Haus Drei
Warm-up11.06. 16.30 . Haus Drei
Dauer1h15 . keine Pause
SpracheThailändisch mit deutschen und englischen Übertiteln

Karten online kaufen

Hipster the King und das thailändische Gegenwartstheater

von Pawit Mahasarinand


Das ausländische Publikum interessiert sich an einem der beliebtesten Tourismusziele der Welt vor allem für „Touristenshows“ wie das Transsexuellen-Kabarett Calypso Bangkok, Kostümmusikshows wie Phuket Fantasea oder die Kampfkunstshow Muay Thai Live: The Legend Lives. Das Kulturministerium bemüht sich um den Erhalt des klassischen Theaters. Internationale Festivals schließlich zeigen verstärkt Interesse an thailändischem Gegenwartstheater mit Bezug zu traditionellen Formen. Diese unterscheiden sich allerdings beträchtlich von zeitgenössischen Theaterarbeiten, wie sie beinahe wöchentlich in der thailändischen Hauptstadt zu sehen sind, wo die Leute lieber Restaurants ohne Holzelefanten und traditionelle Musikinstrumente besuchen.


Kurz nach der Jahrtausendwende gründeten professionelle Theater unter Führung der ältesten Gruppen wie Makhampom und Crescent Moon das Bangkok Theatre Network (BTN) und das Bangkok Theatre Festival für zeitgenössisches Theater. Ein großes Problem war der Mangel an Probe- und Vorstellungsräumen. Daraufhin mieteten die Mitglieder des 8X8-Theaters ein Ladenlokal, bauten es in ein Black-Box-Theater um und nannten es Democrazy Studio. Neben der politischen Anspielung versteht sich der Name auch als Einladung an Künstler jeder Gattung, ihre Arbeiten hier zu präsentieren.

Wegen der politischen Turbulenzen machte Thailand damals häufiger internationale Schlagzeilen, aber im Theater war von der Zensur am wenigsten zu spüren, und dieses kleine Theater bot Künstlern einen Ort der Redefreiheit. Nicht nur lud Democrazy in der Serie Demo Homemade bestimmte Künstler und Gruppen zur Arbeit an neuen thailändischen Stücken oder in der Serie Demo Classics zu Übersetzungen oder Bearbeitungen ausländischer Klassiker ein; das Studio produzierte außerdem zusammen mit professionellen Gruppen und freien Künstlern eine breite Palette mäßig bis sehr anspruchsvoller Theaterstücke, darunter auch Körpertheater und zeitgenössischer Tanz.

In den letzten paar Jahren fiel Democrazy nicht nur durch Quantität, sondern auch durch seine Qualität auf. Beim jährlichen Tanz- und Theaterpreis des Thailand Centre der International Association of Theatre Critics gingen 2014 die Auszeichnungen für bestes Stück, besten männlichen Hauptdarsteller, Originalstück und Regie an die neue Eigenproduktion des Stücks Chichai Saneha von Democrazy. Außerdem wurde Pisat Hua To, koproduziert mit TV Munk, bestes Stück in der Kategorie Musical. Letzten Februar wurde In Their View: A Documentary Theatre – eine Arbeit von Democrazy Studio und der New Theatre Society – als bestes Stück ausgezeichnet. Hipster the King wurde beste Inszenierung im Körpertheater, bestes Originalstück und für die beste Regie ausgezeichnet.


Amitha Amranand, Gründungsmitglied des IATC Thailand Centre, schrieb in ihrer Kritik für die englischsprachige Tageszeitung Bangkok Post: „Mit dieser ungewöhnlichen Inszenierung führt uns Thanapol live vor, wie Propaganda funktioniert. Zuerst werden diese Figuren als vage Bilder großer Menschen dargestellt. Sie alle erscheinen in diesen Formen nicht wirklich menschlich, sondern eher wie geschickt konstruierte Bilder. Ihre Aura und Macht werden durch die Worte einer unsichtbaren Autorität verstärkt, und das Publikum reagiert – nichts davon geschieht aus freiem Willen, sondern durch Suggestionen, subtile Manipulation, Befehle und sogar Nötigung.“

Angesichts der besonderen Spielart der thailändischen Demokratie, die sich „konstitutionelle Monarchie“ nennt, bleibt es der Einschätzung jeder Zuschauerin und jedes Zuschauers überlassen, wer noch in diesen Figurenreigen passen könnte.

Letztes Jahr schrieb ich in einer Kritik über die Welturaufführung beim Offene Welt Festival für The Nation, ebenfalls eine englischsprachige Tageszeitung: „Während die Übertitel immer wiederholten, dass diese Ikonen alles für uns tun und dass wir uns erheben und ihnen voller Liebe und Dankbarkeit applaudieren sollten, musste ich daran denken, was seit Beginn des Jahrhunderts auf der politischen Bühne Thailands geschah. Es gab keinen Applaus, sondern die sechs Darsteller ruhten sich nach 75 Minuten körperlich anstrengender Vorstellung, z. T. mit vielen Kostümschichten übereinander, in T-Shirts und kurzen Hosen aus. Auch das erinnerte nachdrücklich daran, dass wir selbst mit unserer Faszination diese Führer überhaupt erst geschaffen hatten und stellte die eindringliche Frage, ob wir mit ihnen und ihrem Tun einverstanden sind.“

Unbestreitbar stellt Democrazy Studio für das thailändische Gegenwartstheaters einen zentralen Angelpunkt dar, und Hipster the King zeigt auf hervorragende Weise, was Künstler in Thailand derzeit hervorbringen und was das Publikum zu sehen bekommt.

(aus dem Englischen von Henning Bochert)

Hipster the King

สนใจว่าคนที่เป็นผู้นำในโลกนี้ ไม่ว่าจะเป็นผู้นำทางวัฒนธรรม สังคม การเมือง และมีอิทธิพลต่อชีวิตผู้คน คนเหล่านี้เป็นอย่างที่เรารู้จักจริง ๆ หรือเขาสร้างอัตลักษณ์ตัวตนบางอย่างขึ้นแล้วนำเสนอให้เรารู้จักในแบบที่เขาอยากให้เรารู้เท่านั้น ถ้าเป็นอย่างหลัง มันก็เป็นไปได้ที่เราจะสร้างผู้นำที่ไม่มีอยู่จริงของ hipster ขึ้นมา 

แล้วกระบวนการประกอบสร้างตัวตนทั้งที่เป็นทั้งภาพ ข้อมูล หรือแม้แต่รูปแบบการเคลื่อนไหว บุคลิก เมื่อทั้งหมดมารวมกันผ่านการรับรู้ของเรา เราจะรู้จักและรู้สึกกับคนเหล่านี้อย่างไร แล้วตัวตนจริง ๆ ของเค้าจะเหมือนกับที่เราคิดว่ารู้จักเค้ามั้ย เหมือนถ้าเราเห็นคนที่แต่งตัวแบบ เนี่ย เห็นก็รู้ว่าเป็น hipster เราแน่ใจขนาดไหนว่าเขาเป็นแบบที่เราคิดจริง ๆ กลับบ้านเค้าฟังบอยแบนด์รึเปล่า เลยอยากเล่นกับการสร้างคนที่ไม่มีอยู่จริงขึ้นมา ประวัติศาสตร์ที่ไม่มีอยู่จริงขึ้นมา