No Longer Gagok: Room 5↻


Park Minhee . 박박parkpark . Seoul . Südkorea

Schillernde Klangepisoden. Ein Wandelkonzert aus Koreas Vergangenheit

In einen langen Flur dringt aus den angrenzenden Räumen Gesang. Eine Stimme verwebt sich mit der anderen, eine neue Klangfarbe leuchtet auf, verschwindet wieder. Sänger und Zuschauer begegnen sich in den Zimmern des verlassenen Gebäudes und teilen den Moment und die Musik. 

An diesem Ort, an dem der geschäftige Alltag längst Vergangenheit ist, findet der über Jahrhunderte und Kontinente hinweg bewegte koreanische Gagok-Gesang zu einer neuen Gegenwart. Die ausgebildete Gagok-Sängerin Park Minhee rahmt diese traditionelle Konzertform, die dem westlichen Liedzyklus ähnelt, performativ neu. Zwischen Zuhören und Vorbeigehen, Entrückung und Präsenz, zwischen Fremde und Nähe entfaltet die Musik in den kargen Räumen ihre ganz eigene Poesie.

Website 박박parkpark

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Konzept . Regie Park Minhee Mit Ahn Yiho (Pansori) . Jeong Eonjin (Performance) . Kim Heeyoung (Gagok) . Lee Kipum (Gagok) . Park Minhee (Gagok) . Yun Jaewon (Performance) Komposition Raum Nr. 3 Ahn Yiho . Park Minhee Stage Management Kim Sangyeob Projektmanagement Yi Cecilia Soojeong Koproduktion Festival Bo:m

Im Rahmen von Our Common Futures gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes


Rosenstraße 6


15.06.16:00 Uhr / 16:20 Uhr / 16:40 Uhr / 19:00 Uhr / 19:20 Uhr / 19:40 Uhr

16.06. - 17.06.19:00 Uhr / 19:20 Uhr / 19:40 Uhr / 20:00 Uhr / 20:20 Uhr

18.06. - 19.06.16:00 Uhr / 16:20 Uhr / 16:40 Uhr / 19:00 Uhr / 19:20 Uhr / 19:40 Uhr

EintrittVVK 18 Euro . AK 20 Euro
ErmäßigtVVK 9 Euro . AK 10 Euro
Dauer30 min . keine Pause
SpracheKoreanisch . teilweise mit deutschen und englischen Übertiteln

Nicht barrierefrei
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NICHT LÄNGER GAGOK - Ein Interview mit Park Minhee

Was ist Gagok?

Gagok ist eine traditionelle koreanische Gesangsform, bei der Oden gesungen werden. Sie stammt aus dem 15. Jahrhundert, wurde aber im 18. Jahrhundert zur repräsentativen Kunstgattung der Oberschicht und der königlichen Familie. Seine Betonung von Form und Struktur folgt dem künstlerischen Stil der Hauptstadt Seoul.

Wie wird der Gesang traditionell dargeboten?

Gagok war ursprünglich Salonmusik. Die Adeligen trafen sich mit ihren Freunden und machten Musik. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts passte sich Gagok dem westlichen Theater mit seiner klaren Trennung von Bühne und Publikum an. Sänger und Musiker sitzen aber traditionsgemäß auf dem Boden. Der Gesang wird von drei Seiteninstrumenten (Gayageum, Geomungo und Haegeum), zwei Flöten (Daegeum und Piri) und einem Perkussionsinstrument (Janggu) begleitet.

Besonders wichtig beim Gagok ist die „Zurückhaltung“. Der Sänger im traditionellen Kostüm darf weder Hände noch Kopf bewegen, sollte den Mund nicht weit öffnen und mit ausdruckslosem Gesicht vortragen.


Wie sehen Sie Gagok heute?

Zuerst erlebte ich Gagok als Kind. Bis ich selbst anfing zu singen und aufzutreten, verging viel Zeit. Ich lernte, dass Gagok nicht nur die Form der Musik bezeichnete, sondern auch die Form der Darstellung, z. B. „nicht bewegen oder lächeln“. Darauf wird auch seine besondere Schönheit zurückgeführt, die mir bei heutigen Gagok-Konzerten oftmals fehlt.

Was meinen Sie mit „No longer Gagok“?

Wenn es irgendwie ein Fehler unserer Zeit ist, dass Gagok in einem Theater gezeigt wird, könnte man dann nicht bessere Formen finden? Ist die heutige Darbietungsform authentisch? Mit „No longer Gagok“ will ich etwas Neues ausprobieren, eine andere Darstellungsform finden.

Wie begann Ihre Arbeit an „No longer Gagok“?

Während des Studiums traditioneller Musik gab es ein Prinzip, das ich nicht in Frage stellen konnte und bewahren musste. Gagok hatte elegant zu sein, und um diese Eleganz zu wahren, durfte man nicht überall singen. Irgendwann, zwischen Zwanzig und Dreißig, ist das für mich alles zusammengebrochen. Ich kam zu der Überzeugung, dass die Eleganz nicht in der Form liegt, sondern durch die intellektuelle Tiefe der Sängerin vermittelt wird. Eines Tages war ich mit Freunden im Café, und jemand bat mich zu singen. Das war keine richtige Bühnenvorstellung, aber mir hat es Spaß gemacht, für meine Freunde zu singen. Sie wollten meine Musik kennenlernen, und ich gab mein Bestes. Da ich Gagok liebe, will ich, dass es auf optimale Weise gehört wird. Ich dachte mir also, es wäre am besten, wenn ich es näher am Publikum singen könnte. Genauer gesagt wollte ich, dass die Musik ohne Missverständnisse gehört wird. Auf der Bühne gibt es so viele Missverständnisse. Meine Lehrer sagten immer, „Gagok ist gut, sowas darf nicht verschwinden“. Ich habe das nie verstanden, denn seine Qualität lässt sich nicht per Dekret vermitteln. Ich war überzeugt, dass ich mir etwas anderes überlegen musste, damit deutlich wird, wie gut er ist.

Was motiviert Sie, Gagok ständig weiter zu entwickeln?

Ich war nicht aus reiner Liebe zu Gagok so hartnäckig. Gagok enthält den Geist einer bestimmten Epoche, daher glaubte ich auch, dass ich mit Fragen eine Menge erreichen konnte. Heutzutage geht es in der Geschichte meines Landes nicht darum, die Vergangenheit zu befragen, es geht darum, voranzukommen. Unsere Geschichte ist der Grund, weshalb viele Menschen, Räume und Regionen keinen Ort für sich gefunden haben, genau wie Gagok. Für mich kristallisiert sich in Gagok alles, was nach der japanischen Kolonialherrschaft in Korea abhandengekommen und verloren war. Ich glaube daher, dass Fragen an Gagok ebenso Fragen an unsere heutige Gesellschaft und sogar Fragen an den Kapitalismus sein können. Wenn im 21. Jahrhundert der Kapitalismus gleichzeitig zur Religion und zum Gott wird und persönliche Vorlieben durch den Mangel an individueller Persönlichkeit ausgelöscht werden, sind kleinformatige Darbietungen für mich eine Möglichkeit, Fragen an das aktuelle Geschehen zu stellen.

<가곡실격: 방5↻>

<가곡실격>은 전통가곡(歌曲)이라는 특정 음악 장르의 메타포라고 할 수 있다. 가곡 이수자인 박민희가 음악과 안무를 맡아 2013년 창작한 <가곡실격>은 시와 목소리, 그리고 안무가 하나의 뿌리에서 출발하고 있다. 작품은 환영과 환청같은 시청각 이미지들과 신체 언어를 통해 시를 쓰는 또 다른 방법을 보여준다. 여기서 신체 언어란 단지 안무된 움직임을 말하는 것이 아니라 목소리와 공간의 관계를 관객들이 입체적으로 체험하도록 하는 소통의 방법론이다. 구획된 객석과 객석 사이를 방향성 없이 유랑하는 목소리는 관객을 내밀한 소리의 물성을 만나는 심리적으로 경험으로 초대한다.

<가곡실격: 방5↻> 가곡의 음악적 형식을 공간 구조화하여 공간과 배치와 소리의 원근감, 그리고 7개의 개별적 공간에서 콘텐츠와 관객이 1:1로 관계를 맺는 방식을 통해 가시화했다. 2014년 페스티벌봄과에서 공동제작/초연했다.
가곡은 시다. 시를 감상하기 위해서는 갖가지 비워냄이 필요하다. 그 비움의 예로는 공간, 시간, 마음 등을 들 수 있을 것이다.   
가곡의 목적은 은근한 침투이다. 가곡은 가까이, 더 가까이 들여다 볼 때 발견되는 아름다움을 가졌다. 은근하게 깊숙이 들어와 흔들릴 때 비로소 예쁘다. 그런 순간에 가곡은 작용한다.
가곡은 순환한다. 시간과 사람으로 순환한다. 이 곡은 저 곡으로 순환한다. 그렇게 순환하다 보면 중요하다 여겨졌던 것들은 전부 사라지고 하나만 남는다. 그 하나는 그것을 느끼는 저마다 다르다.

 가곡*(歌曲)은 우리나라 고유의 정형시를 노래하는 성악곡으로 18세기 풍류방에서 성행했다. 그 원형에 대한 연원은 고려시대로 소급한다. 남녀창이 교창하며 연창되는 양식을 갖고 있다. 연창할 때에 각 곡이 연결되는 방식은 그 각각의 조성과 빠르기 장단(리듬) 등 규칙에 의해 이루어진다. 각 악곡들 또한 5장 구조 안에서 엄격한 형식을 가지며 시어(노랫말)와의 결합마저 특정한 방식을 따른다. ‘형식미'라는 말이 가곡의 대표적 설명으로 사용될 만큼 구조적인 성악곡이다.