11.07.2020

Perform at Home mit Selina Thompson

Selina Thompson hat sich für unsere Sonderausgabe mit der US-amerikanischen Autorin Saidiya Hartman per Zoom verabredet und über ihre Performance über den transatlantischen Handel mit versklavten Personen salt. und über Hartmans Buch Lose Your Mother: A Journey Along the Atlantic Slave Route gesprochen.

Selina Thompsons Perform at Home-Aufgabe, die sie als Video hier anschauen können, lautet: Nehmen Sie sich Literatur von afro-deutschen Autorinnen zur Hand und markieren Sie Textpassagen nach folgendem Prinzip:

Pink: Das wusste ich noch nicht
Blau: Das hat mich zur Verzweiflung gebracht
Gelb: Das hat meine Stimmung gehoben

Einige Beiträge haben uns bereits erreicht:


PINK: DAS WUSSTE ICH NOCH NICHT

[…] be checking white people and their entitlement tot he artist of color’s time and energy. Don’t expect the artist of color tob e the one to both hold the space and accomodate white fragility.“
Aus: Fannie Sosa: A White Institution‘s Guide for Welcoming People of Colour* and Their Audiences. In: Elisa Liepsch und Julian Warner (Hg.): Allianzen. Kritische Praxis an weißen Institutionen

„Die Europäer waren nicht zu Sklavenhändlern geworden, weil sie Rassisten waren.
[…] Sie wurden zu Rassisten, um Menschen für ihren eigenen Profit versklaven zu können. Sie brauchten eine ideologische Untermauerung; eine moralische Legitimierung ihrer weltweiten Plünderungsindustrie. Kurz und plakativ: Sie wollten gut schlafen.“
Aus: Alices Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten

„Ich würde sagen, dass tatsächlich in den 1980er- und 1990er- Jahren der Feminismus einer der Austragungsorte war, an dem Rassismusdiskussionen stattgefunden haben, z.B. beim Orlanda Frauenverlag und bei der Gründung von ADEFRA.“ [...] „Die Institutionalisierung der feministischen Theorie bei den Gender Studies hat jedoch auch zu einem Vergessen dieser Geschichte geführt.“
Aus: Nuray Demir und Nanna Heidenreich: Unfinished Conversation. In: Natalie Beyer, Belinda Kazeem-Kamiński und Nora Sternfeld (Hg.): Kuratieren als antirassistische Praxis

„"Blackface“ stands in this tradition- it’s historic symbolism and role in the dehumanisation of Black people, cannot be stripped unilaterally by any artist or cultural producer, no matter how noble, genuine or well-meaning the intention. Andi t certainly cannot be re-signified by the descendants of those who have enjoyed the benefits of this dehumanisation of Black people (and who themselves still reap the cumulative advantages of this) without any progress of recognition, reconciliation or reparation. In short: In a society where racism still exists, „blackface“ cannot shed ist racist connotations.
Aus: Sharon Dodua Otoo: Reclaiming Innocence: Unmasking Representations of Whiteness in German Theatre. In: Sandrine Micossé-Aikins; Sharon Dodua Otoo (Hg.): How to be an Artist. The little book of big visions and revolutionize the world

„Rassismus wird man also nicht los, nur weil man behauptet nicht rassistisch zu sein. Es kann zum Beispiel sein, dass man am Tag gegen Rassismus demonstriert- und trotzdem Angst bekommt, wenn einem nachts ein Schwarzer Mann über den Weg läuft. Oder dass man kurz überrascht ist, wenn eine Frau mit Hijab perfekt Deutsch spricht. Auch wenn diejenigen, die die Straßenseite wechseln, oder kurz verdutzt sind, nicht weiter darüber nachdenken und glauben, diese eine Sekunde, diese harmlose Handlung bliebe unbemerkt und würde keinen großen Unterschied machen, tut sie es doch. Und zwar für die Betroffenen. Eine deutsche Hijabi bekommt täglich verdutzte Blicke, wenn sie den Mund aufmacht. Ein Schwarzer Mann, sieht in seinem Leben Hunderte verängstigte Gesichter, wenn er durch die Straßen läuft. Sie bemerken es. Ich bemerke es. Diese kleinen Momente, sie wirken wie Mückenstiche. Kaum sichtbar. Im Einzelnen auszuhalten, doch in schierer Summe wird der Schmerz unerträglich. Diese Mückenstiche haben einen Namen: Mikroaggressionen.“
Aus: Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten

„In Australien wurde vor Kurzem der Waisenhaus-Tourismus, der sich als Freiwilligendienst tarnt, als moderne Form von Sklaverei anerkannt“
Aus: Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten


BLAU: DAS HAT MICH ZUR VERZWEIFLUNG GEBRACHT

„Extractivism- getting the knowledge without caring for the people, leaving holes in exsistence- is what white institutions are almost irredeemably build to perpetrate […]“
Aus: Fannie Sosa: A White Institution‘s Guide for Welcoming People of Colour* and Their Audiences. In: Elisa Liepsch und Julian Warner (Hg.): Allianzen. Kritische Praxis an weißen Institutionen

„Aber die Frage nach der Herkunft, wie sie mir auch heute noch gestellt wird, bekundet meist kein Interesse an mir, sondern an der Bestätigung bestimmter Vorurteile.“
Aus: Alices Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten

„Die Tänzerin der Schweiz wird der Moderne zugeordnet, die Tänzerin aus Ägypten hingegen exotisiert.“
Aus: Nuray Demir und Nanna Heidenreich: Unfinished Conversation. In: Natalie Beyer, Belinda Kazeem-Kamiński und Nora Sternfeld (Hg.): Kuratieren als antirassistische Praxis

„[…] those who tipically benefit from racism, are arguably the leat willing to recognise racism when it reveals itself- especially where it touches upon an aspect of their own person: the very obstruction of their personality as a white person.“
Aus: Sharon Dodua Otoo: Reclaiming Innocence: Unmasking Representations of Whiteness in German Theatre. In: Sandrine Micossé-Aikins; Sharon Dodua Otoo (Hg.): How to be an Artist. The little book of big visions and revolutionize the world

„Nach der offiziellen Beendigung der Sklaverei 1865 dort wurden jedem Schwarzen Menschen im Zuge einer Agrarreform sechzehn Hektar Land und ein Esel versprochen. Außerdem fielen Schwarze Menschen als kostenlose Arbeitskraft weg. Das kam weißen Landbesitzer*innen natürlich erst einmal sehr teuer vor. Die ehemaligen Sklav*innen wurden also als Geldfresser*innen der Weißen gesehen, einfach nur, weil sie jetzt bezahlt werden mussten. Schwarze Menschen bekamen das ihnen zugesicherte Land und Vieh nicht, das Versprechen wurde schnell wieder zurückgezogen. Doch Rassismus hat sich noch nie von Fakten beirren lassen. Das Narrativ der gierigen Schwarzen blieb.“
Aus: Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten

„Um all die jungen Menschen mit Freiwilligenarbeit versorgen zu können, braucht es inzwischen mehr Waisenkinder, als es überhaupt gibt. Schätzungsweise 80 Prozent der Kinder, die weltweit in Waisenhäusern leben, haben mindestens noch einen lebenden Elternteil. Viele dieser Eltern können ihre Kinder nicht mehr versorgen und geben sie deshalb an eine Institution ab. Sie sehen ihre Kinder oft nie wieder. Manche Kinder werden adoptiert, die Verbindung zu ihren Eltern und ihrer Herkunft für immer gekappt. Mit dem Geld, das Volunteers für ihr Freiwilligenprogramm ausgeben, könnten ganze Familien unterstützt und betreut werden. Doch verzweifelte, hilfsbedürftige Eltern werden im Hilfe-Für-Afrika-Narrativ ausgeblendet.“
Aus: Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten


GELB: DAS HAT MEINE STIMMUNG GEHOBEN

„Stop pretending it’s so hard. You know what to do.“
Aus: Fannie Sosa: A White Institution‘s Guide for Welcoming People of Colour* and Their Audiences. In: Elisa Liepsch und Julian Warner (Hg.): Allianzen. Kritische Praxis an weißen Institutionen

„Ich finde, beim Smalltalk sollte man über Gemeinsamkeiten und nicht über Unterschiede sprechen. Damit macht man sich eher Freund*innen.“
Aus: Alices Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten

„[…] nicht in typischen Benennungen zu sprechen.“ „Wie mache ich es, über etwas zu sprechen, ohne es in solchen Zustellungen und Zumutungen aufgehen zu lassen; und wie näher man sich den politisch und persönlichen Fragen eher von den Rändern her?“

„Stattdessen hat sie dieses Zentrum leer gelassen, ohne es in eine Schublade zu stecken, und hat sich eher an den „Rändern“ bewegt.“ Aus: Nuray Demir und Nanna Heidenreich: Unfinished Conversation. In: Natalie Beyer, Belinda Kazeem-Kamiński und Nora Sternfeld (Hg.): Kuratieren als antirassistische Praxis.

„[…] positive step of removing the use of „blackface“ […]“

„A revolutionised German theatre sector will portray whiteness authentically (i.e. critically) in scenarios that do not rely on the use of representations of Black people to highlight what white people are not.“
Aus: Sharon Dodua Otoo: Reclaiming Innocence: Unmasking Representations of Whiteness in German Theatre. In: Sandrine Micossé-Aikins; Sharon Dodua Otoo (Hg.): How to be an Artist. The little book of big visions and revolutionize the world

„„Warum hast du sie gekauft?“ fragte ich meine Mutter. „Ich will nicht, dass jemand etwas so Rassistisches besitzt, deshalb muss ich sie aus dem Verkehr ziehen.““
Aus: Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten

„Dafür eingesetzt hat sich eine Vereinigung von Hilfsorganisationen, Philanthrop*innen und Glaubenseinrichtungen. Denn natürlich sind nicht alle Organisationen gleich.“
Aus: Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten