Bilanz Festival Theaterformen 2026
Am 28. Juni ging die diesjährige Ausgabe des Festival Theaterformen in Braunschweig zu Ende – und damit auch die letzte Ausgabe unter der künstlerischen Leitung von Anna Mülter.
Auf den Bühnen des Staatstheaters und in der ehemaligen JVA Rennelberg waren elf Tage lang Theater, Tanz und Performances zu erleben. Zudem gab es Gespräche, Führungen, eine Installation, performative Walks, Open-Air-Kino, ein Konzert und Silent Discos.
Neun Stücke auf den Bühnen des Staatstheaters verzauberten die Wahrnehmung und wagten einen Balanceakt zwischen biografischer Erzählung und Fiktion. Nicht nur der Bühnenboden, sondern auch gesellschaftliche Normen gerieten dabei in Schieflage. Vielstimmige Monologe entwarfen neue Familienkonzepte, während glamouröse Pop-Ikonen Landschaften zum Klingen brachten.
Mit NO PRISON öffneten sich erstmals die Tore der JVA Rennelberg für die Öffentlichkeit. Das ehemalige Gefängnis wurde zu einem Möglichkeitsraum, in dem internationale Künstler*innen ihre Perspektiven auf Ungerechtigkeit und staatliche Gewalt zeigten. Der Ort der Vereinzelung und des Ausschlusses verwandelte sich in einen Raum der Begegnung, in dem Gemeinschaft und Kunst erfahrbar wurden.
133 Künstler*innen aus 13 Ländern waren für das Festival Theaterformen nach Braunschweig gereist. Insgesamt besuchten 8.700 Menschen Veranstaltungen des Festival Theaterformen auf den Bühnen des Staatstheater Braunschweig und in der temporären Spielstätte in der ehemaligen JVA Rennelberg. Das Festivalzentrum in der ehemaligen JVA Rennelberg war an beiden Wochenenden jeweils von Donnerstag bis Sonntag geöffnet und bot zahlreichen Besucher*innen die Möglichkeit, das Gelände zu erkunden und sich über den historischen Ort zu informieren. Etwa 2.400 Menschen besuchten das Gelände während der Öffnungszeiten.
Festivalleiterin Anna Mülter freut sich über die große Resonanz beim Publikum zu ihrer sechsten und letzten Festivalausgabe:
„Die ehemalige JVA Rennelberg zu öffnen und sich mit dem Ort auf künstlerische Weise auseinander zu setzen, ist auf ein überwältigendes Interesse der Braunschweiger*innen gestoßen. Elf Tage lang haben wir dort bewegende Performances und kulturelle Erinnerungsarbeit erlebt und den Mauern und dem Stacheldraht die Kraft der Gemeinschaft entgegengesetzt. Für mich war das ein furioser und berührender Abschied von Festival Theaterformen, nachdem wir in sechs Ausgaben so viele außergewöhnliche Bühnenstücke und ortsspezifische Projekte nach Braunschweig und Hannover gebracht haben. Von der Hochstraße ins Gefängnis – das zeigt auch, was in Niedersachsen möglich ist: gemeinsam mit unseren Förderer*innen, mit Politik und Verwaltung sowie mit dem großartigen Publikum in Braunschweig und Hannover."