Bilanz Festival Theaterformen 2025
Das Festival Theaterformen 2025 ist vorüber und wir blicken zurück auf elf erlebnisreiche Tage voller neuer Theaterformen. Auf den Bühnen des Staatstheaters, im Deister sowie entlang der Ihme und der Leine wurde vom 19. bis 29. Juni ein vielseitiges Programm aus Theater, Tanz und Performance präsentiert.
Etwa 160 Künstler*innen aus elf Ländern sind für das Festival Theaterformen nach Hannover gekommen, um drängende Fragen unserer Gegenwart aufzugreifen und ihre Perspektiven und künstlerischen Visionen auf die Bühne zu bringen. 2025 nahmen uns die Künstler*innen mit in verwunschene Wälder, zu den Gipfeln und Tälern persönlicher Erfahrungen und in eine Zukunft ohne Jahreszeiten. Mit dem Theater als Sichtbarkeitsmaschine verhandelten sie Themen, die sonst unbeachtet bleiben: Arbeit, die im Verborgenen verrichtet wird, Ungerechtigkeiten, die übersehen werden, die Geschichte der Unterdrückung Tauber Kultur und die Ausbeutung von Künstler*innen in Freakshows. Etwa 7.000 Besucher*innen waren bei den rund 33 Veranstaltungen zu Gast.
Festivalleiterin Anna Mülter freut sich über die große Resonanz beim Publikum zu ihrer fünften Festivalausgabe: „Das Festival hat das Hannoveraner Publikum tief ins Herz getroffen, die Stücke haben die Emotionen in diesem Jahr besonders hochschlagen lassen. In der entspannten Atmosphäre des Festivalzentrums im Hof konnte all das bei einem Gespräch verarbeitet oder bei einer Silent Disco herausgetanzt werden. Mit Lola Arias und Florentina Holzinger waren zwei Ausnahmekünstlerinnen im Schauspielhaus zu Gast und haben das Publikum begeistert und aufgewühlt. Ein großer Dank geht an das Technikteam des Staatstheaters, die das höchst anspruchsvolle Stück A Year without Summer mit vollem Einsatz möglich gemacht haben. Alles in allem eine rundum gelungene Festivalausgabe.“
Programm 2025
Das Bühnenprogramm umfasste Performances, choreografische Arbeiten, eine Lecture-Performance und reichte von Musical bis hin zu diskursiven Formaten. Das Festival wurde mit Lola Arias’ dokumentarischem Stück Los días afuera / The days out there eröffnet, in dem ehemalige Gefängnisinsass*innen mit mutigen Songs um ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen. In Blood Show hat sich die alltägliche Gewalt gegen trans* Menschen in einem Slapstick-Blutbad entladen, und in MONGA wurde sich die Ausbeutung Behinderter Künstler*innen in historischen Freakshows selbstbewusst angeeignet und radikal umgedeutet. Magic Maids und When I Saw the Sea setzten sich mit Machtstrukturen und den Lebensrealitäten von Arbeitsmigrant*innen auseinander. Während in Songs of the Wayfarer Claire Cunningham Natur-, Bühnen- und Gefühlslandschaften durchquerte, lud Harald Beharie mit Undersang zu einer choreografischen Exkursion in den Deister ein. Außerdem zeigte das Festival den Publikumsmagnet A Year without Summer von Florentina Holzinger im Schauspielhaus und präsentierte mit DEPPER und PAS MOI zwei Uraufführungen.
WHERE RIVERS MEET
Im Rahmen des Festivals begegneten sich Lilly Baniwa, Ziel Karapotó und Olinda Tupinambá in Hannover und entwickelten unter dem Thema WHERE RIVERS MEET unterschiedliche ortsspezifische Formate. Ihre interdisziplinären künstlerischen Praktiken reichten dabei von Performance und Film bis hin zu Installation und Aktivismus. Ausgehend von dem Verständnis, dass wir nicht außerhalb der Natur stehen, sondern ein Teil von ihr sind, erkundeten sie alternative Formen von Kinship, die über die menschliche Ebene hinausgehen – ein Perspektivenwechsel, der unsere Beziehung zur Umwelt neu verhandelt und zu einem tieferen Verständnis von Verflechtungen führt.
Gespräch und Diskussion
In Kooperation mit den Universen und DIE VIELEN e.V., wurden bei WIR MÜSSEN HANDELN! Strategien zur Verteidigung der Demokratie diskutiert, und bei RECLAIMING CRIP HISTORY die Geschichte und Zukunft der Disability Arts Festivals in Deutschland im Gespräch mit Renate Weidner verhandelt.
Festivalzentrum
Der Theaterhof zwischen dem Schauspielhaus und der Cumberlandschen Galerie wurde zum Festivalzentrum. Dort konnten alle zusammenkommen, sich austauschen, zwischen den Veranstaltungen neue Energie tanken und die gemeinsame Zeit genießen. An den Abenden von Donnerstag bis Samstag verwandelte sich das Festivalzentrum bei den Silent Discos in eine Tanzfläche.
Barrierefreiheit
Das Barrierefreiheitsangebot wurde in diesem Jahr um die Möglichkeit des Early Boarding erweitert. Das Angebot bezeichnet den früheren Einlass in den Zuschauer*innensaal und wurde vom Publikum positiv aufgenommen und rege genutzt.
Die nächste Ausgabe des Festivals Theaterformen findet vom 18. bis zum 28. Juni 2026 in Braunschweig statt.