


Gespräch: Abschaffen! Abolitionistische Perspektiven auf Gefängnis
Der Begriff Abolitionismus kommt aus dem Englischen „to abolish“ – also „abschaffen“. Dahinter steht eine politische Haltung, die sich gegen Zwang und Unterdrückung richtet und danach fragt, wie wir Gesellschaft anders gestalten können. Ursprünglich entstand der Begriff in der Bewegung zur Abschaffung der Versklavung in den USA. Heute setzen sich abolitionistische Forscherinnen und Aktivistinnen dafür ein, Polizei und Gefängnisse grundsätzlich infrage zu stellen – und durch solidarische Formen des Miteinanders zu ersetzen. Abolitionismus meint also nicht nur das Abschaffen, sondern auch das Aufbauen: von Beziehungen, Strukturen und Formen der transformativen Gerechtigkeit, die Veränderung statt Strafe ermöglichen.
Im Gespräch diskutieren die Wissenschaftler*in Melanie Brazzell und Aktivistin Doris Dede über abolitionistische Perspektiven auf Gefängnisse. Dabei geht es um transformative Gerechtigkeit, gemeinschaftsbasierte Formen von Sicherheit, gegenderte Gewalt und solidarische Alternativen zu Strafe und Ausgrenzung. Ergänzt wird das Gespräch durch einen Audio-Input von Syrus Marcus Ware, dessen Installation Fire is Burning (draw nearer) während des Festivals in der JVA Rennelberg zu sehen ist.
Melanie Brazzell beschäftigt sich wissenschaftlich und politisch mit Transformativer Gerechtigkeit, insbesondere mit gegenderter Gewalt. Melanie hat zwei Bücher zum Thema veröffentlicht: „Was macht uns wirklich sicher? Ein Toolkit zu intersektionaler transformativer Gerechtigkeit jenseits von Gefängnis und Polizei“ (edition assemblage 2018) und mit dem RESPONS Kollektiv „Was tun bei sexualisierter Gewalt? Handbuch für die Transformative Arbeit mit gewaltausübenden Personen“ (Unrast 2018).
Doris Dede ist Aktivistin und Soziologiestudentin. Sie arbeitet als Empowerment-Trainerin im Bereich Flucht und Asyl mit einem Schwerpunkt auf frauenspezifischen Themen sowie der Stärkung und Vernetzung von Frauen mit Fluchtgeschichte. Zudem ist sie Mitglied von Women in Exile e.V., einer selbstorganisierten Initiative geflüchteter Frauen, die sich mit einer klaren feministischen, antirassistischen und antikolonialen Vision für die Rechte von Geflüchteten und Geschlechtergerechtigkeit einsetzt.
Dr. Syrus Marcus Ware ist Assistenzprofessor an der School of the Arts der McMaster University, wo er sich mit Konzepten der sozialen Gerechtigkeit und der Schwarzen Aktivismuskultur befasst. Er ist Vanier-Stipendiat, bildender Künstler, Aktivist, Kurator und Pädagoge; seine Werke werden in ganz Kanada und international ausgestellt. Ware ist Mitglied des Black August Arts Residency Collective, Mitbegründer von Black Lives Matter Canada, Kurator der Ausstellung „That’s So Gay“ und Autor zahlreicher Aufsätze, Artikel und Bücher.
Angaben zur Produktion
Mit: Melanie Brazzell, Doris Dede, Dr. Syrus Marcus Ware, Fotos: Anton Vichrov